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Das Debakel zu Speyer anno 2015

Das Jahr 2015 wird ein schwarzes Jahr für die archäologische Forschung. Am 25. Februar 2015 steht ein junger Mann in Frankenthal vor Gericht der im Wald zu Rülzheim den Barbarenschatz gefunden hat. Aufgrund der Vorgehensweise der Archäologie Speyer (Rheinland-Pfalz), die den jungen Mann vorverurteilt und über Tage hinweg praktisch als Staatsfeind Nr. 1 durch die Medienlandschaft gezogen hat, ist es sehr unwahrscheinlich, dass zukünftige Finder unter diesen untragbaren Bedingungen Schatzfunde melden werden.

Das Amt Speyer, dass in der Vergangenheit bereits unrühmlich in Erscheinung getreten ist (Wie beim Viehhandel, Spiegel 1991, siehe außerdem Linksammlung unten), hat mit dieser unklugen Aktion erneut gezeigt, dass es offenbar nicht gewillt oder in der Lage ist maßvoll mit dieser hochsensiblen Thematik umzugehen. Verantwortungsvolles in die Zukunft gerichtetes Handeln wurde auf dem Altar des kurzzeitigen Presserummels geopfert. Diese an den Tag gelegte Vorgehensweise, gepaart mit dem unsäglichen Schatzregal wird für die zukünftige archäologische Forschung in der gesamten Bundesrepublik Deutschland zum Debakel.

Der Tag der Gerichtsverhandlung wird daher in die Geschichte eingehen als „Das Debakel zu Speyer“ anno 2015.



Anmerkung zu den Folgen des Speyerer Debakels:
Schatzfinder – egal ob ehrenamtlicher Feldbegeher, Sondengänger, Landwirt, Baggerfahrer, Privatperson. Alle werden es zukünftig tunlichst vermeiden sich der Ungnade jener Ämter auszusetzen, die signalisieren:

„Melde einen Schatz und wir finden etwas um Dich zu kriminalisieren!“

Eine verspätete Fundmeldung, ein beim Ausgraben zwangsläufig im Mitleidenschaft gezogener Fundkontext, oder schlicht eine Vermutung, dass der Schatz nicht vollständig gemeldet wurde. Alles dies sind Punkte die ausreichen, um dem Finder größte Schwierigkeiten zu bereiten und ihn als Lump auf die Titelseite der Bild zu bringen.

Es ist eine absolute Katastrophe für die Geschichtsforschung, denn betroffen sind zukünftig vermutlich nicht nur Schatzfunde sondern auch ganz „normale“ unspektakuläre Zufallsfunde, die ihrerseits wertvolle Erkenntnisse bringen könnten.

Die Mutter des jungen Mannes hat verzweifelt versucht ihren Sohn vor den von den Archäologen initiierten Schmutzkampagnen in den Medien zu schützen – ohne Erfolg. Die Archäologie wollte Aufmerksamkeit um jeden Preis ohne die negativen Folgen zu bedenken. Es wird Jahre dauern und erheblicher Anstrengungen seitens der Archäologie bedürfen um das Vertrauen wiederherstellen, wenn es überhaupt jemals wieder gelingt. Das Internet vergisst nichts und ein Schatzentdecker der Rat sucht, ist bei Google keine zwei Klicks von der Nichtmeldung seines Schatzes entfernt, denn er wird leider schnell erkennen müssen: „Schätze melden ist doof“.




Links zum Thema:
Trierer Goldschatz (Rheinland-Pfalz):
http://www.badische-zeitung.de/bildung-wissen-1/was-aus-dem-trierer-goldschatz-wurde–77770316.html

Münzschatz von Dreisen (Rheinland-Pfalz):
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13491894.html

Der Münzschatz von Meckel (Rheinland-Pfalz):
http://www.muenzenwoche.de/de/Archiv/8?id=610&type=n

Vom Unglück einen Schatz zu finden:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/recht-steuern/kniffelige-rechtslage-vom-unglueck-einen-schatz-zu-finden-12166.html

Wem gehört der Schatz (Bayern):
http://www.n-tv.de/ratgeber/Sendungen/Wem-gehoert-der-Schatz-article9973461.html

Schatzfinder ernteten keinen Dank:
http://www.svz.de/lokales/zeitung-fuer-die-landeshauptstadt/schatzfinder-erntet-keinen-dank-id4188416.html

So läuft es sehr erfolgreich in England:
http://www.berliner-zeitung.de/archiv/in-england-gibt-es-mehr-schatzfunde-als-sonst-in-der-welt–weil-finder-gut-bezahlt-werden-geld-fuer-gold,10810590,10677344.html




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5 Kommentare:

  1. Die Archäologie und Politik zeigt sich wieder unfähig Fehler einzugestehen und dementsprechend zu handeln. Der arme Kerl, an Verstand und Finanzen, ist im guten Glauben an das Landesamt herangetreten, hier einen Teil seiner Verantwortung für den Fund loszuwerden.
    Nachdem er völlig durchleuchtet und nackt dasteht, hat die Justiz beschlossen ein Exempel an ihm zu statuieren.
    Nicht er ist es der an den Pranger gehört, sondern die Kleindenker auf den Ämtern und in der Politik. Dieses Bauernopfer führt dazu, dass in nächster Zukunft alle bedeutenden Funde verschwinden für immer….wer will das ernsthaft ?

  2. Sorry, die Story wäre gut, hätte der Finder den Fund tatsächlich nicht erst unter dem Druck der Ermittlungen in anderen Fällen gemeldet. Seine zahlreichen, früheren Videos beweisen zur Genüge, dass er wusste, was er da tut.
    Und ordentlich gegraben leidet der Kontext minimalst.
    So klingt das alles nur verlogen.

    PS
    Wetten, dass sie diesen Kommentar nicht freischalten oder verunglimpfen?

    • Jens Diefenbach

      Herr Wöhrle,
      seit vielen Jahren werden Finder systematisch über den Tisch gezogen wie die Linkliste beweist. Angesichts der allseits bekannten Problematik ist es doch vollkommen klar, dass man nicht unüberlegt zum Amt springt und freudestrahlend einen Schatzfund auf den Tisch legt, sondern erst einmal die eigene Situation bewertet. Nun im aktuellen Fall kommt zum „über den Tisch ziehen“ auch noch die strafrechtliche Würdigung.

      Man kann sich dem Eindruck nicht erwehren, dass das Amt immer etwas finden wird um den Finder über den Tisch zu ziehen und in eine Büßerhaltung zu drängen. Ein Finder steht zudem wie im Bericht der FAZ korrekt dargestellt immer direkt mit einem Bein vorm Richter und darf sich seit Speyer in dem Medien als böser Mensch wiederfinden.

      Unabhängig ob der junge Mann eine Vorgeschichte bei YouTube hatte und eine Verurteilung mehr oder weniger gerecht ist: Der Schaden für die archäologische Forschung ist gewaltig. Keiner wird mehr etwas melden, denn kaum einer wird Lust haben sich so behandeln zu lassen und solche enormen Risiken einzugehen.

  3. Wahre Worte im Dschungel der Lügen….

  4. Hallo Jens,
    zwei Vorschläge / Anmerkungen:
    Zum einen würde ich versuchen die ganze Geschichte im Zusammenhang mit Benny und dem Barbarenschatz an die überregionale Presse weiterzugeben. Gerade Spiegel / Stern / Focus könnten an der Geschichte Interesse haben, da der Prozess im Februar ein guter aktueller Aufhänger ist. Ausserdem wird ein föderales Behördenchaos wie im Falle Schatzregal, VGenehmigungen etc. gerne berichtet.
    2. ) Überdenkt biitte nochmal den DSU-Flyer… Ich finde das sieht aus wie ein rechtsgerichtetes Flugblatt. Schwarz/rot/Gold… dazu der martialische Helm… Verstärkt wied das auch durch die Abkürzung DSU, die ja eine rechtle Partei bezeichnet:
    /Die Deutsche Soziale Union (Kurzbezeichnung: DSU) ist eine rechtskonservative Kleinpartei in der Bundesrepublik Deutschland. In der Wendezeit 1989/1990 war sie als Teil des Wahlbündnisses Allianz für Deutschland an der letzten DDR-Regierung beteiligt. In den letzten Jahren näherte sich die Partei dem rechtspopulistischen Spektrum an.)

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